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Tessiner Starthilfe für die GPS (Artikel im Giornale del Popolo)

Date: Februar 12, 2017 Author: Anina Vontobel Categories: Beiträge

Lesen Sie hier was Peter Baumgartner in der Tessiner Tageszeitung Giornale del Popolo berichtet. Oder unterstehend den Originaltext auf Deutsch:

 

Tessiner Starthilfe für eine kenianische Schule

In Nairobi feiert in diesen Tagen eine kleine Schule ihr 15-jähriges Bestehen, die ihre Existenz wesentlich grossherzigen Sponsoren aus dem Tessin verdankt: Die Gentiana Primary School, eine Schule für lernschwache Kinder aus ärmsten sozialen Verhältnissen.

Wenn die 230 Kinder am frühen Morgen das Schulareal betreten, sehen sie als erstes die in warmem Gelb gestrichene Küche. Für die meisten Kinder ist es ein schönes Signal. Sie wissen, hier werden der Znüni und das Mittagessen vorbereitet. Und noch etwas realisieren sie durchaus. Haben sie erst einmal die mit Schmutz übersäten Strassen mit ihren stinkenden Wassergräben verlassen, die diesen Teil des Kawangware-Slums in Nairobi prägen, treten sie in eine andere Welt ein: Eine Welt mit grossen, kinderfreundlichen Klassenzimmern, mit Lehrkräften, die sich um sie kümmern, und einer Schulatmosphäre, in der sie sich aufgehoben fühlen – nicht umsonst nennen die Kinder die Gentiana eine Oase.

Das war nicht immer so. Von 2001 bis 2006 war die Gentiana in aneinander gebauten, ringhörigen Blechhütten untergebracht, eine Toilette für die Buben, eine für die Mädchen, eine für die Lehrkräfte, kein Strom- und kein Wasseranschluss. Und doch ging die Schule schon damals eigene Wege. Sie war gratis, aufgenommen wurden nur die lernschwachen Kinder aus ärmsten Familien, Waisen, Behinderte, Vernachlässigte. Ihnen, so lautete die Zielsetzung der Gentiana, sollte ein Start ins Leben ermöglicht werden. Wer denn sonst sollte sich um diese Kinder kümmern?

Hilfe aus dem Tessin

Aufgerufen durch eine Sammlung der Schweizerischen Missionsgesellschaft Bethlehem in Immensee spendeten damals Tessinerinnen und Tessiner für die Gentiana. Fast drei Jahre lang reichte das Geld, um den acht Lehrkräften einen sehr bescheidenen Lohn zu zahlen, umgerechnet 40 Franken pro Monat. Zudem konnte Schulbücher, Hefte und Schreibmaterial gekauft werden, und Porridge fürs Mittagessen der Kinder. Denn die Kinder sollten nicht leiden wegen der Armut ihrer Eltern.

Am 9. Juli 2006 wurde das neue Schulgebäude eingeweiht, finanziert durch grossherzige Spenderinnen und Spender aus der Schweiz. Einfach und zweckmässig gebaut, 13 Klassenzimmer, eine Küche, ein kleiner Bürotrakt. Nun war es auch möglich, sich intensiver um pädagogische Fragen zu kümmern. Moderne Lehrmethoden – etwa der Gruppenunterricht – wurden ebenso eingeführt wie die bewusste Erziehung zu Gewaltlosigkeit. Die Schülerinnen und Schüler lernten in speziellen Klassenstunden, dass Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein das schulische Fortkommen fördern, und dass auch Kinder aus dem Slum ihre Würde haben.

Stipendienprogramm und Sozialarbeit

Bereits im Jahre 2004 hatte die Schule ein Stipendienprogramm eingeführt; bis heute ermöglichte es über 500 Gentiana-Schulabgängern den Besuch von Berufsschulen und höheren Schulen – getreu nach dem Schulziel, lernschwachen Kindern aus armen Verhältnissen zum Stehen auf eigenen Füssen zu verhelfen. 2008 wurde das Sozialprogramm lanciert. Es hilft besonders armen Kindern und HIV-positiven Müttern, nimmt sich der persönlichen Sorgen der Kinder an und vertritt deren Rechte in Fällen von häuslicher Gewalt. In enger Zusammenarbeit mit den Lehrkräften ist die Sozialarbeiterin heute federführend für den weiten Bereich der Lebenskunde. Dabei geht es nicht nur um die Begleitung der Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung, gerade bei Schülerinnen und Schülern der oberen Klassen; wichtig sind ebenso sehr die (in Afrika heiklen) Bereiche wie Sexualkunde und Familienplanung.

Schulisch gesehen kann die Gentiana trotz ihrer etwas belasteten „Klientel“, lernschwache Kinder, mit den besten Schulen des Distrikts mithalten. Die 12 Lehrkräfte sind überdurchschnittlich ausgebildet, alle vier Unterstufenlehrer haben zusätzlich Heilpädagogik studiert. Die Lehrerinnen und Lehrer werden systematisch und in regelmässigen Kursen geschult für den Umgang mit Kindern aus schwierigen Verhältnissen – und für den nicht minder schwierigen Umgang mit den Eltern.

Die Elektriker kommen

Im Jahre 2009 eröffnete die Nichtregierungsorganisation Gentiana Development Network als Besitzerin der Promary School das Gentiana Technical College. Dafür wurden von der Primarschule zwei Klassenzimmer abgezweigt. Es bildet junge Frauen und Männer zu Elektrikern aus, einem in Kenia sehr gefragten Berufszweig. Das College wie die Primarschule werden vom Schweizer Unterstützungsverein Freundinnen und Freunde der Gentiana Primary School Nairobi finanziert. Das Budget für die beiden Lehrinstitute beläuft sich, alle Nebendienste und das Essen inbegriffen, auf rund 200’000 Franken. Bezüglich der Finanzen ist das Gentiana Development Network, das von zwei Schweizern und einer Kenianerin geführt wird, dem Verein sowie der staatlichen kenianischen Hilfswerk-Aufsicht verantwortlich.

Im Rückblick gesehen haben die Spenderinnen und Spender aus dem Tessin einem Projekt im fernen Afrika auf die Beine geholfen, das sich sehr schön entwickelt hat und hohes Ansehen geniesst. Ein kleines Indiz dafür: Gegen 200 Eltern versuchen jedes Jahr, ihre Kinder in die Gentiana zu schicken. Aber nur 25 Kinder können aufgenommen werden.